Praktische Aspekte beim Reisen für die Landschaftsfotografie

Wenn Sie in einem Studio arbeiten, haben Sie fast die absolute Kontrolle über Ihr Motiv, das Setup und andere Faktoren, die Ihren Arbeitsablauf beeinflussen. Das Fotografieren „on location“, besonders an abgelegenen Orten, ist jedoch völlig unvorhersehbar. Sie können weder das Wetter noch die Lichtsituation kontrollieren und auch nicht beeinflussen, wer außer Ihnen sonst noch vor Ort ist oder wie sicher es für Sie und Ihr Equipment ist. Deshalb ist eine gründliche Vorbereitung essenziell, bei der Sie so viele Szenarien wie möglich und etwaige Folgen berücksichtigen. Genauso wichtig ist es aber, die eigenen Pläne flexibel an eine sich verändernde Situation anpassen zu können. Bevor Sie sich zur Location aufmachen, vergewissern Sie sich, auf welche Art von Gelände Sie stoßen werden und welche natürlichen Elemente berücksichtigt werden müssen (Wind, Sand, Schnee, Wolken, Nebel usw.). Ich beginne den Tag immer mit einem Blick auf die Wettervorhersage – das ist der einfachste und bequemste Weg, um sich auf das Wetter einzustellen. So haben Sie auch die Möglichkeit, Ihre Pläne gegebenenfalls anzupassen, um gefährliche Situationen zu vermeiden.

Je begeisterter Sie von der Landschaftsfotografie sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie auch zu einer Art Meteorologie-Freak werden. Es ist auf jeden Fall hilfreich zu lernen, wie man die Art und Höhe einer Wolkenformation analysiert, um das kommende Wetter einzuschätzen. Außerdem ist es wichtig, den Himmel im Auge zu behalten, um zu verstehen, wie Sonne und Schatten sich auf Ihre Komposition auswirken, und um vorherzusagen, wann der richtige Zeitpunkt zum Fotografieren ist. Sie werden bald lernen, dass Zirruswolken ideal für dramatische Aufnahmen sind und Schleierwolken dabei helfen, ein stimmungsvolles, warmes Licht zu erzeugen. Während Kumuluswolken für ein gleichmäßig ausgeleuchtetes Bild sorgen, sind Gewitterwolken ein Zeichen dafür, dass Sie sich mit Ihrer Aufnahme beeilen und so bald wie möglich Schutz suchen sollten. Wenn der Ort gefährlich oder unberechenbar ist, ist es unverzichtbar, jemanden dabei zu haben, der sich in der Gegend auskennt und Ihnen bei der Navigation im Gelände behilflich ist, für Sicherheit sorgt und Ihnen insgesamt unterstützend zur Seite steht. Zudem ist es wichtig, den ganzen Tag über Zugang zu Nahrung, Wasser, einem Unterstand, z.B. einer Schutzhütte, und medizinsicher Versorgung zu haben. Denken Sie daran, Ihre Ausrüstung bei unbeständigem Wetter stets geschützt aufzubewahren und nur dann herauszunehmen, wenn Sie sie benötigen. So schützen Sie Ihr wertvolles Equipment und sorgen gleichzeitig dafür, dass Sie durch unnötig viele Aufnahmen nicht ewig mit der Nachbearbeitung beschäftigt sein werden.

Rückblick auf den Abschnitt : Für Sicherheit sorgen und gleichzeitig tolle Bilder einfangen

✓ Prüfen Sie die Wettervorhersage und passen Sie Ihre Pläne und/oder Kleidung entsprechend an

✓ Lernen Sie, die Wolken zu deuten, um für Ihre eigene Sicherheit zu sorgen und um großartige Bilder aufzunehmen

✓ Ziehen Sie jemanden hinzu, der sich in der Gegend auskennt, wenn Sie sich an Locations begeben, die tendenziell gefährlich oder schwer einschätzbar sind

✓ Egal was passiert, stellen Sie sicher, dass Nahrung, Wasser, ein Unterstand und medizinische Versorgung zugänglich sind

Berücksichtigung aller Faktoren für die perfekte Aufnahme

Irgendwann kommt der Moment, an dem die gesamte Planung in die Tat umgesetzt wird. Das ist der aufregende Teil, auf den wir uns alle freuen, aber das bedeutet nicht, dass es keine Herausforderungen, unvorhersehbare und frustrierende Momente geben wird. Alaska ist eine der unbarmherzigsten Landschaften der Welt, aber genau das macht es auch zu einem meiner Lieblingsorte zum Fotografieren. Man sagt, dass jedes Jahr 70 % der Besucher des Denali-Nationalparks nicht einmal den Berg selbst zu sehen bekommen. Er ist so massiv, dass er sein eigenes Wetter erzeugt. Die meiste Zeit ist er wolkenverhangen. Mit über 6000 Metern Höhe ist er der höchste Gipfel Nordamerikas und der dritthöchste und abgelegenste Gipfel der Welt. Angesichts meines kurzen Zeitfensters war der schnellste und effizienteste Weg zur Alaskakette das Flugzeug. Ich habe ein kleines Flugzeug gechartert, das in der Lage war mit offenen Fenstern zu fliegen, damit ich nicht durch das Plexiglas fotografieren musste. Durch das vorherige Studium der Region und des Geländes waren wir in der Lage, uns mit unserem Piloten darüber zu verständigen, wohin genau wir für die geplanten Aufnahmen fliegen wollten. Als wir das Wetter am Tag des Fluges prüften, sah es nach klarem Himmel aus, allerdings würde die Temperatur bei -40°C liegen, während wir an den offenen Fenstern hingen. Es ist natürlich immer wichtig zu wissen, wann das beste Licht ist, und das hängt wiederum vom bevorzugten Look der Aufnahmen ab. Für mich war das ideale Licht in diesem Fall etwa anderthalb Stunden vor Sonnenuntergang, wenn das Alpenglühen einsetzt. Aus einem offenen Flugzeugfenster heraus bei Temperaturen zu fotografieren, die kälter sind, als die meisten Menschen auf diesem Planeten es jemals erleben werden, ist eine der forderndsten Situationen, die man sich als Fotograf vorstellen kann. Das ganze Team war in einem winzigen Flugzeug zusammengepfercht. Jede Drehung des Flugzeuges richtet das Fenster gerade nach unten und gab uns einen Blick auf die Gletscher, die etwa 4000 Meter unter uns aus dem Boden ragten. Ich hatte die 23mm- und 70mm-Rodenstock-Objektive und die XT dabei. Für die meisten Aufnahmen verwendete ich bei diesem Shooting eine Blende von etwa 4,0, eine Verschlusszeit von 1/500 und ISO 800. Ich wusste um die erstaunlich hohe ISO-Leistung des IQ4, also war ich nicht allzu besorgt, mit ISO 800 zu arbeiten. Da ich aus einem Flugzeug heraus fotografierte, beunruhigte mich eher die Verschlusszeit – hier wollte ich auf gar keinen Fall irgendeinen Fehler machen. Bei einer Auflösung von 150MP kann selbst der kleinste technische Fehler erhebliche Folge haben. Dank der sorgfältigen Planung und meiner Vorerfahrung konnte ich auf dieser Reise alle gewünschten Aufnahmen erzielen.

Um zu unserer anderen Location zu gelangen, an der ich Eisberge fotografieren wollte, nahmen wir Schneemobile. Die Fahrt, bei der wir gefrorene Flüsse und unebenes Gelände überquerten, dauerte etwa dreieinhalb Stunden pro Strecke. Dabei wurde wirklich auf die Probe gestellt, wie gut und sicher ich meine Ausrüstung vorher gepackt hatte. Als wir dann endlich an der Gletscherfront ankamen, zogen plötzlich Wolken auf und die Lichtsituation verschlechterte sich rapide – ein Signal für baldiges schlechtes Wetter. Es sah nicht so aus, als ob das Glück an dieser Location auf unserer Seite sein würde. Unser Wissen über die Wolken und Wetterumschwünge half uns bei der Entscheidung, es dennoch zu versuchen. Also luden wir schnell die Ausrüstung aus, bauten alles auf und setzten die geplanten Aufnahmen in kurzer Zeit um.

Dieses Beispiel zeigt, dass alle Planung der Welt keinen Erfolg garantieren kann. Oft hängt bei der Landschaftsfotografie, insbesondere an schwer zugänglichen Orten, letztlich alles vom richtigen Timing ab. Wir hatten großes Glück, den Denali in seiner ganzen Pracht zu sehen, wären aber an unserem zweiten Ziel fast in ein Unwetter geraten. Normalerweise hat man beim Timing mehr Pech als Glück – aber wenn Sie geduldig bleiben, ist das Glück irgendwann auf Ihrer Seite.

Landschaftsfotografie in Alaska: Unterwegs in der Luft und im Schneemobil

Wie ich die Aufnahme plante Es ist ein ziemliches Privileg, bereits mehrmals über die Alaskakette geflogen zu sein, und die Erfahrungen, die ich bei vorherigen Flügen sammeln konnte, haben mir bei meiner Planung sehr geholfen. Ich wusste immer, dass ich zurückkommen wollte, um den Berg im Mittelformat zu fotografieren und ich bin so froh, dass ich dieses Projekt mit der Phase One XT umsetzen konnte.

Kamera und Einstellungen Phase One XT IQ4 150MP Kamera mit XT-Rodenstock HR 32mm f/4 Objektiv 1/800 Sekunde bei f/8, ISO 100

Bei Aufnahmen aus dem Flugzeugfenster musste die Verschlusszeit kurz genug für Luftbildaufnahmen aus der Hand sein und gleichzeitig maximale Schärfe mit möglichst geringem Rauschen gewährleisten. Da ich kurz vor Sonnenuntergang fotografierte, musste ich darauf achten, genau die richtige Einstellung zu wählen, um die Dinge scharf abzubilden und gleichzeitig eine gute Belichtung zu erzielen. Bei der Phase One Kamera konnte ich die Bilder glücklicherweise einfach ein wenig unterbelichten, da ich wusste, dass der enorme Dynamikumfang mir helfen würde, die ideale Belichtung ohne Qualitätsverlust in der Nachbearbeitung zu erreichen.

Wie ich die Aufnahme plante Auf einer Reise durch Island im Winter habe ich einmal miterlebt, wie riesige Gletscherteile abbrachen und in die Gletscherlagunen darunter fielen. Die abgebrochenen Eisberge treiben dann durch das Wasser und frieren irgendwo in der Lagune fest, wenn die Temperaturen wieder soweit abfallen, dass die Gletscherlagunen zufrieren. Ich war wie besessen von diesen schwebenden Eisbergen, weil sie völlig einzigartig sind – man kann nie wirklich genau den gleichen Eisberg zweimal sehen oder einfangen. Später recherchierte ich Orte, an denen dasselbe Phänomen wie in Alaska zu finden sein würde, und nutzte dafür sowohl lokale Ressourcen als auch Google Maps zur Unterstützung.

Kamera und Einstellungen Phase One XT IQ4 150MP Kamera mit XT-Rodenstock HR 32mm f/4 Objektiv 1/80 Sekunde bei f/9, ISO 100

Da ein Sturm aufzog, musste ich beim Fotografieren schnell vorgehen. Es war gut, dass ich mir bereits vorab überlegt hatte, was ich in dieser Aufnahme abbilden wollte, auch wenn nicht ich nicht wusste, wie der Eisberg genau aussehen würde. Fest stand, dass ich eine Person im Bild brauchen würde, um die Größenverhältnisse zu veranschaulichen. Und ich wusste, dass ich ein Weitwinkelobjektiv benötigen würde, um die ganze Szene einzufangen. Ich stand auf festem Boden, also verwendete ich mein Stativ für zusätzliche Stabilität. So konnte ich den ISO-Wert so niedrig wie möglich halten und bei den gegebenen Lichtverhältnissen arbeiten, bis der Sturm aufzog.

PROFI-TIPP


Einer der Fehler, die ich zu Beginn meiner fotografischen Laufbahn gemacht habe, war, dass ich mich einfach zu sehr im Moment verfangen habe. Ich tauchte so sehr in die Location ein, dass ich einen Tunnelblick bekam und an nichts anderes denken konnte, als an das eine perfekte Bild, das ich unbedingt einfangen muss. Dann ging ich nach Hause, sah mir die Ergebnisse an und dachte: „Ist das etwa alles, was ich habe?“
Ich bin nicht offen an die Sache herangegangen. Und deshalb war ich auch nicht wirklich kreativ.
Es ist so wichtig, sich immer wieder daran zu erinnern, offen zu sein und sich an das anzupassen, was man vor Ort vorfindet. Versuchen Sie nicht zu sehr, Ihre Aufnahme zu konstruieren, und verlieren Sie sich nicht in komplexen Kameraeinstellungen. Für ein System wie die XT Kamera bin ich total dankbar, da es so gut auf meine Art zu fotografieren ausgerichtet ist. Ich möchte mich nicht zu sehr auf die Bedienung der Kamera konzentrieren müssen, sondern stattdessen komplett in die Landschaft um mich herum eintauchen, sie ganz bewusst wahrnehmen und ihre Schönheit durch meine eigene kreative Vision wiedergeben. So kann ich meine Aufmerksamkeit mehr auf die Umgebung richten, anstatt die ganze Zeit nur diese eine perfekte Aufnahme vor meinem inneren Auge zu haben.

4. Den eigenen Stil finden