2. Eine Geschichte entwickeln

Es geht nicht um das Bild an sich, sondern um die Geschichte dahinter.

Sie haben sich also vorgenommen, eine bestimmte Location zu fotografieren. Ganz gleich, ob es sich um eine Auftragsarbeit, ein Kunstprojekt, ein Fotobuch oder einfach nur um Bilder für Ihre Privatgalerie handelt, Sie werden den Ort, den Sie fotografieren, mit Ihrem persönlichen, subjektiven Blick betrachten – eine einzigartige Perspektive und eine ganz individuelle Sichtweise auf dieses Stück Natur. Zumindest haben Sie sich das zu Hause, vor Ihrer Reise vorgenommen. Letztendlich kehren wir aber allzu oft doch nur mit „noch so einem Foto von einem Berg“ zurück. Es hat Jahre gedauert, bis ich verstand, dass die größte Bildwirkung und die stärkste Verbindung beim Betrachten meiner Fotografien entsteht, wenn sie eine spannende Geschichte erzählen. Wenn ich mir einige meiner Lieblingsfotos aus der Vergangenheit anschaue, wird klar, dass ihre Kraft darin liegt, mich emotional an diese Orte und zu diesen Erfahrungen zurückzubringen. Die Erzählung, die sich beim Betrachten eines Bildes oder einer Bildserie entfaltet, macht die Aufnahmen unvergesslich. Genau das ist es, was ich mit meinen Bildern erreichen möchte. Die besten Geschichten, die Sie durch Ihre Fotografie erzählen können, sind die, mit denen Sie sich persönlich verbunden fühlen. Unabhängig davon, was genau Sie fotografieren (man entscheidet schließlich nicht immer selbst, was man fotografiert), Sie werden immer die Dinge bevorzugen, die Sie lieben und für die Sie sich begeistern. Deshalb sollten Sie versuchen, so viele Motive wie möglich zu fotografieren, für die Sie sich wirklich interessieren. Wenn Sie gerne kochen, fotografieren Sie Essen. Wenn Sie Automobile spannend finden, fotografieren Sie so lange Autos, bis Sie perfekt darin sind. Anthropologie ist Ihr Ding? Reisen Sie, um traditionelle Kulturen auf der ganzen Welt zu dokumentieren. Sie haben eine Leidenschaft für die Natur und sind gerne im Freien unterwegs? Gehen Sie so viel wie möglich hinaus und setzen Sie sich fotografisch intensiv mit der Landschaft auseinander. Entwickeln Sie eine tiefe Verbindung zu Ihren Motiven und machen Sie das Fotografieren zu einem festen Bestandteil Ihres Alltags. Die Geschichten werden ganz natürlich entstehen und Ihre Arbeiten werden sich dadurch auszeichnen, dass sie authentisch, persönlich und voller Emotionen sind. Und genau das werden auch andere Menschen erkennen.

Meine Geschichte


Alaska entdecken

Vor einigen Jahren gab es in meinem Leben eine Phase, in der ich sehr viel reiste, viele Fotoshootings für verschiedene Projekte durchführte und mit der Zeit alles ein bisschen zu viel wurde. Große Werbeaufnahmen mit großen Crews, unfassbar tolle Locations und Abenteuer, überall Scharen von Touristen. Ich erreichte einen Punkt, an dem ich nur noch irgendwohin wollte, wo ich alleine sein konnte. Eines Tages, als ich fast ziellos auf eine Landkarte schaute (was ich seltsamerweise oft tue), fiel mein Blick auf Alaska und ich sagte zu mir selbst: „Hey, das ist nicht weit weg von mir und hat Berge, ich sollte mal hinreisen“. Ehe ich mich versah, war ich mutterseelenallein in Alaska unterwegs, schlief auf dem Rücksitz meines Mietwagens und steckte bis zur Hüfte im Schnee, zudem war es Mitte Dezember jeden Tag 20 Stunden dunkel. Sowohl im wörtlichen als auch im übertragenden Sinne war ich in die Landschaft eingetaucht, es fühlte sich an wie die wildeste Gegend, in der ich je gewesen war und ich liebte alles daran. Ich wusste, dass ich nach meiner Rückkehr auch andere Menschen an meiner Entdeckung Alaskas teilhaben lassen wollte.

Als ich mich dieses Mal aufmachte, um in Alaska zu fotografieren, ging es um meine Verbindung zur Landschaft. Das Aufspüren einer solchen Verbindung – die Geschichte hinter den Bildern – sollte der wichtigste Teil bei der Planung einer Fotoreise sein, auch wenn er mit dem eigentlichen Fotografieren gar nicht so viel zu tun hat. Bevor Sie überhaupt Ihre Reise antreten, denken Sie also zuerst über die Geschichte nach, die Sie erzählen möchten. Wie wird sie sich in Ihren Bildern entfalten? Nehmen Sie während der Reise, wenn möglich, auch ein paar Aufnahmen hinter den Kulissen auf. Machen Sie außerdem vor Ort Notizen und führen Sie ein Reisetagebuch. Bleiben Sie neugierig und seien Sie offen für unerwartete Situationen, machen Sie Herausforderungen oder Triumphe zu einem Teil Ihrer Geschichte. Denken Sie über das Ergebnis, die Bilder, hinaus. Vielleicht wird daraus einmal eine Ausstellung oder ein Buch werden, vielleicht werden die Bilder auch in einer Publikation erscheinen. All die zusätzlichen Informationen, die Sie während der Reise sammeln, werden Ihnen dabei helfen, eine spannende Geschichte entstehen zu lassen, ganz gleich, in welchem Medium Sie Ihre Bilder später veröffentlichen werden. Authentische Erfahrungen erzeugen beim Betrachter eine Art Resonanz, und andere Menschen sind immer daran interessiert, mehr über die Reisen zu erfahren, auf denen atemberaubende Fotografien entstehen.

Geduld ist der Schlüssel Die letzte wichtige Zutat für großartige Geschichten ist Geduld. Ausdrucksvolle Landschaftsfotografien benötigen eben Zeit. Sie werden Stunden, Tage und manchmal sogar Jahre investieren müssen, bis Sie ihr Motiv wirklich kennen und wissen, wie Sie es perfekt und eindrucksvoll einfangen können. Ich weiß nicht, wie oft ich schon von einem Ort abgereist bin, ohne die gewünschte Aufnahme zu haben. Aber auch das macht den Reiz der Landschaftsfotografie aus. Ein Teil von mir liebt genau solche Erfahrungen, denn selbst nach all den Jahren, in denen ich immer wieder in Alaska war, gibt es für mich immer noch mehr zu lernen und mehr zu entdecken. Die Berge und Landschaften werden mich lange überdauern, aber gleichzeitig verändern sie sich immer auf die eine oder andere Art.

Rückblick auf den Abschnitt: Die Elemente einer Geschichte finden

✓ Machen Sie, wenn möglich, Aufnahmen „hinter den Kulissen“

✓ Machen Sie Notizen oder führen Sie ein Reisetagebuch, um sich später an wichtige Details erinnern zu können

✓ Sammeln Sie unterwegs Dinge, die Ihnen bei der Erzählung Ihrer Geschichte helfen

✓ Seien Sie geduldig und fokussieren Sie sich auf die Geschichte und nicht auf den schnellen Schnappschuss

3. Fotografieren