Am Anfang: Die Wahl des Reiseziels

Für die Reisefotografie, insbesondere für die Landschaftsfotografie, ist eine durchdachte Planung unverzichtbar. Wenn Sie an abgelegenen Orten fotografieren, kann sich diese Vorbereitung durchaus über mehrere Jahre erstrecken, diverse Trips zum gleichen Zielort und ein paar fehlgeschlagene Versuche beinhalten, bis die Bilder endlich Ihrer Vorstellung und Intention entsprechen.

Ich entdecke Landschaften, die ich fotografieren möchte, durch die Bilder anderer Menschen, durch Geschichten, die man sich über diesen Ort erzählt, durch ein Naturphänomen, eine persönliche Geschichte oder durch reinen Zufall. Manchmal schaue ich einfach auf die Landkarte und bemerke einen Ort, an dem ich noch nie gewesen bin, und plötzlich verspüre ich den Drang, ihn zu entdecken.

Wenn ich dann eine Gegend im Auge habe, folgt immer eine Menge Recherche. Wie schwer ist die Location zu erreichen? Handelt es sich um ein Naturschutzgebiet? Brauche ich eine Genehmigung zum Fotografieren? Welche Jahreszeit eignet sich am besten zum Fotografieren? Wie lange dauert die Anreise? Was muss ich einpacken? Welche Art von Transportmittel wähle ich? Welche Ansichten und Perspektiven sind möglich? Um Antworten auf all diese Fragen zu finden, bedarf es viel Zeit vor dem Computer.

Für diesen Leitfaden möchte ich Sie an meinem Planungs-, Erkundungs- und Aufnahmeprozess für die Landschaftsfotografie an entlegenen Orten teilhaben lassen. Und dafür habe ich mich für die wilde Landschaft Alaskas entschieden.

Wieso Alaska?

Alaska ist ein besonderer Ort für mich, den ich quasi durch Zufall entdeckt habe. Zum ersten Mal verschlug es mich dorthin, als ich in meinem Leben an einem Punkt war, an dem ich dringend ein bisschen Zeit für mich brauchte. Ich habe mich sofort in die Landschaft verliebt. In den folgenden Abschnitten werde ich daher auch auf meine besondere Verbindung zu Alaska eingehen. Unabhängig davon ist Alaska jedoch einfach ein gutes Beispiel für diesen Leitfaden, da die Recherche, die Anreise und der Aufnahmeprozess einen hier besonders herausfordern. Von meinen zahlreichen Reisen nach Alaska bin ich mit einer ganzen Reihe von Tipps und Tricks zurückgekehrt, die ich nun gerne mit Ihnen teilen möchte.

Vorbereitung

Ich bin schon zu verschiedenen Jahreszeiten nach Alaska gereist, aber diesmal wollte ich im Winter fahren, um das wunderschöne Alpenglühen auf den schneebedeckten Gipfeln der Alaskakette einzufangen. Klar war, dass ich über die Berge fliegen wollte, um die steilen Bergwände und Gletscher sowohl aus der Luft als auch vom Boden aus zu sehen. Eine Fotoreise nach Alaska erfordert einen langen Planungsprozess, besonders wenn Sie beabsichtigen, im Winter zu reisen. Die Tage sind hart, kalt und dunkel, und das Reisen ist an den meisten Orten schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Ich habe 3D-Karten in Google Earth genutzt, um die Art des Geländes, in dem wir uns aufhalten würden, kennenzulernen und zu verstehen, wie das Licht mit der Umgebung interagiert. Obwohl Websites nützliche Ausgangspunkte sein können, ist das persönliche Auskundschaften von Orten, wenn möglich, immer besser (besonders bei größeren Projekten und Aufträgen). Natürlich kostet es viel Zeit, Geld und Mühe, Orte mehrfach zu besuchen, aber manchmal sind es gerade diese Vorbereitung und der Aufwand, die später im Projekt den entscheidenden Unterschied machen. Notizen meiner früheren Reisen halfen mir dabei, die Locations für die geplanten Aufnahmen auszuwählen. Außerdem hat mir die Erfahrung von zurückliegenden Flügen, bei denen keine verwertbaren Aufnahmen herausgekommen sind, dabei geholfen, das Gelände und die genauen Standpunkte der Gipfel kennenzulernen. Wenn Sie bei Ihrer Planung nicht auf die Erfahrung aus früheren Reisen zurückgreifen können, müssen Sie sich auf die Notizen und Informationen anderer Personen verlassen. Die offensichtliche Herausforderung hierbei lässt sich schnell zusammenfassen: Je entlegener das Ziel ist, desto weniger Informationen stehen zur Verfügung. Doch mit ein wenig Ausdauer werden Sie die Reise sicherlich gut vorbereiten, die zu fotografierenden Landschaften einkreisen und den Ablauf des Trips planen können. In vielen Fällen findet man andere Fotografen, die von einem bestimmten Ort genauso fasziniert sind wie man selbst und gerne ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Wenn Sie Ihre Recherche vertiefen möchten, empfehle ich Ihnen, neben den fotografischen Ressourcen auch einen Blick auf die Werke von Naturschriftstellern und Naturforschern zu werfen. Beispielhaft ist hier John Muir zu nennen, auch bekannt als „John der Berge“ oder „Vater der Nationalparks“. Er verbrachte sein Leben damit, durch die Wildnis der USA zu reisen und die Schönheit der wenig erschlossenen Gebiete des Landes zu dokumentieren, und er schrieb sogar ein Buch über seine Reisen durch Alaska. Eine weitere wertvolle Informationsquelle sind die Einheimischen der Gegend, die Sie bereisen möchten. Sie kennen die Umgebung besser als jeder noch so interessierte Besucher. Es ist absolut empfehlenswert, vor und während der Reise neue Bekannte oder kundige Reiseführer vor Ort zu finden, da Sie höchstwahrscheinlich bereits bei Ihrer Ankunft auf Hilfe angewiesen sein werden. Die Einheimischen können Ihnen mit wertvollen Ratschlägen zur Seite stehen, von der Unterkunft über den Transport bis hin zum sicheren Aufenthalt in der Umgebung. Am Ende des Tages geht es darum, so viel Wissen wie möglich von verschiedenen Menschen zu sammeln. Fotografen, Wissenschaftler, Bergsteiger, Reiseführer, Einheimische – sie alle sehen den gleichen Ort aus verschiedenen Perspektiven und jede Begegnung kann Ihnen dabei helfen, eine Geschichte über diesen Ort entstehen zu lassen und visuell zu erzählen. Ein kleiner Tipp am Rande: Achten Sie darauf, nicht jede Sekunde Ihrer Reise durchzuplanen – schließlich macht ein bisschen Ungewissheit die Reise noch spannender und Ihre Entdeckungen noch unvergesslicher!

Rückblick auf den Abschnitt: Ressourcen nutzen

✓ 3D-Karten wie z.B. Google Earth helfen, das Gelände zu visualisieren

✓ Machen Sie sich durch Erkundungstouren mit der Umgebung vertraut

✓ Erfahrungen anderer Fotografen sie sind häufig äußerst wertvoll - wenn sie verfügbar sind

✓ Naturschriftsteller und Naturforscher werden als Ressourcen bei der Planung häufig übersehen

✓ Ziehen Sie Einheimische zurate oder engagieren Sie einen Reiseführer

Ihre Ausrüstungs-Checkliste

Die Landschaftsfotografie ist ein Genre, bei dem die Fotoausrüstung übersichtlich gehalten werden sollte. Zum einen ist man allein schon dadurch beschränkt, wie viel man körperlich auf langen Wanderungen und bei der Location-Suche mitnehmen kann. Zum anderen möchte man, wenn die richtige Stelle und der richtige Moment gefunden sind, nicht erst unzählige Objektive, Filter und anderes Zubehör auspacken, nur um dann festzustellen, dass das Licht sich verändert hat, die Wolken weggezogen sind oder der Wind plötzlich weht, wenn das Equipment endlich bereit zur Aufnahme ist.

Verstehen Sie mich nicht falsch, natürlich erfordert die Landschaftsfotografie viel Geduld. Manchmal muss man tagelang immer wieder den gleichen Ort aufsuchen, bis der richtige Moment für die Aufnahme da ist. Aber wenn dieser Moment kommt, sollte man sich voll und ganz auf die Komposition konzentrieren und sich emotional auf die Landschaft und die hervorgerufenen Emotionen einlassen, die man fotografisch abbilden möchte. Eine Menge kompliziertes Equipment wird Sie dabei nur von der notwendigen Konzentration abhalten.  

Speziell für diese Reise war es für mich absolut entscheidend, dass die Ausrüstung, mit der ich arbeite, leicht, kompakt und portabel ist, da wir in kurzer Zeit viele verschiedene Orte erkunden wollten. Innerhalb weniger Tage sollten wir in Flugzeugen über die Landschaft hinwegfliegen, Schneemobile fahren und durch Schnee und Eiseskälte wandern. Aus diesem Grund packte ich die Phase One XT Kamera ein, wodurch ein Maximum an Mobilität mit kompromissloser Bildqualität garantiert war. Für eine solche Reise gibt es einfach keine bessere Option als den

weltweit größten 150MP-Sensor mit der genauesten Farbwiedergabe und einer reisefreundlichen Größe und Form. Falls Sie sich für eine andere Kamera entscheiden, achten Sie in jedem Fall darauf, dass ein Maximum an Portabilität und Qualität gegeben ist.

Bei den mitgebrachten Objektiven handelte es sich um passende Rodenstock Festbrennweiten: 23-mm, 32-mm und 70-mm. Die 23- und 32-mm-Objektive ermöglichten mir Weitwinkelaufnahmen mit minimaler Verzeichnung, während das 70-mm perfekt war, um mein Motiv näher heranzuholen. Wie auch immer Sie sich entscheiden, versuchen Sie nicht mehr als drei Objektive einzupacken. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie mehr benötigen, dann sind es nicht die richtigen Objektive. Wenn Sie zu Hause eine Aufnahmeliste erstellen, sollten Sie in der Lage sein, genau vorherzusagen, welche Objektive Sie brauchen werden, ohne weitere Objektive „nur für den Fall der Fälle“ mitbringen zu müssen. Ihr Rücken und Ihre Schultern werden es Ihnen danken.  

Da ich mit leichtem Gepäck reisen wollte, beschloss ich auch, ein kleines und handliches Stativ mitzunehmen, und zwar das MeFoto Roadtrip. Es ist leicht, tragbar und bietet dabei stabilen Halt für die XT, bei jedem Wetter und in jedem Gelände. Oft bringe ich vorab noch ein paar Streifen Klebeband am Stativ oder auf Wasserflaschen an. Das ist praktisch, falls ich unterwegs aus irgendeinem Grund einmal Klebeband benötige!

Und nun kommen wir zu den Filtern. Normalerweise würde ich auf einer solchen Fotoreise UV-Filter zum Schutz meiner Objektive, ND-Filter für Langzeitbelichtungen und Polfilter für satte Farben und zur Reduzierung von Blendlicht mitbringen (das Fotografieren von Schneelandschaften ist mit sehr hellen Reflexionen verbunden, die ungewünschte Lichtreflexe verursachen können). Da die XT Kamera aber über ein Werkzeug zur automatischen Bildmittelung verfügt, sind Langzeitbelichtungen jederzeit möglich, ohne dass ein ND-Filter nötig ist. Außerdem erzielt die Kamera eine unglaublich genaue Farbwiedergabe, so dass ich auch keine Polfilter einpacken musste. Jedes Zubehör, das ich zu Hause lassen kann, vermindert das Gewicht, das ich im unwegsamen Gelände mit mir herumtrage.

Rückblick auf den Abschnitt: Die Ausrüstungs-Checkliste

✓ Kamera mit nicht mehr als drei Objektiven

✓ Stabiles Reisestativ (ggf. mit Klebeband)

✓ Filter – zum Schutz Ihrer Objektive bei widrigen Umweltbedingungen

Weiteres Zubehör, das ich immer auf Fotoreisen in abgelegene, schwer zugängliche Gegenden mitbringe:

✓ Mindestens 3-4 Batterien sowie Handwärmer, um sie warm zu halten – besonders bei kalten Temperaturen

✓ Zusätzliche Speicheroptionen zur täglichen Sicherung Ihrer Fotos

✓ Ein kleines Behältnis mit Reinigungszubehör

✓ Zusätzliche Stativplatten

✓ Etwas zum Schutz der Kamera bei nassen oder sandigen Witterungsbedingungen

Packen

Beginnen wir mit dem Verpacken Ihrer Ausrüstung. Wenn Sie fliegen oder über weite Strecken fahren, sollten Sie Ihre Kamera in einem Hartschalenkoffer transportieren – idealerweise mit Rädern, wie z.B. ein Peli Case. Wenn Sie bei extremen Witterungsbedingungen herumreisen, muss die Ausrüstung auch vor Frost, Feuchtigkeit, Kondensation, Staub, Sand etc. geschützt werden. Dafür benötigen Sie Lösungen, die es Ihnen ermöglichen, die Ausrüstung aus dem Case in Ihrem Rucksack zu transportieren und sie gleichzeitig vor Wind und Wetter zu schützen, wie z.B. gut verarbeitete, wasserdichte Inserts. Die XT wird standardmäßig in einem Hartschalenkoffer mit speziell angefertigten Schaumstoff-Trenneinsätzen geliefert, wodurch jedes Einzelteil optimal geschützt wird. Diese Einsätze können einfach herausgenommen und im Rucksack verstaut werden. Indem Kamera und Objektive einzeln verpackt werden, können Sie verhindern, dass sich bei einem schnellen Temperaturwechsel (von drinnen nach draußen und umgekehrt) Kondenswasser auf der Ausrüstung bildet. Zum Schutz vor Feuchtigkeit empfiehlt es sich außerdem, in jedem Kameraeinsatz ein paar Päckchen Silica-Trockenmittel zu verstauen. Hinsichtlich der Kleidung auf dieser Reise war es mir wichtig, Bewegungsfreiheit zu haben und gleichzeitig bei klirrender Kälte warm zu bleiben. Wenn man an Orte mit extremen Temperaturen reist, sollte man sich am besten in Schichten kleiden und auf alle Arten von Wetterbedingungen und Widrigkeiten vorbereitet sein: starker Regen oder Schnee, starker Wind, Sandstürme, hohe Luftfeuchtigkeit usw. Recherchieren Sie Ihr Reiseziel gründlich und denken Sie darüber nach, wie Sie in der Umgebung, die Sie bereisen, komfortabel und sicher bleiben können. Manchmal muss man bei der Wahl der Outdoorkleidung Kompromisse eingehen, um gut fotografieren zu können. Gehen Sie jedoch niemals einen Kompromiss ein, der Sie in Gefahr bringen könnte. Bei der Planung der Luftaufnahmen habe ich mich für touchscreenfähige Unterziehhandschuhe entschieden. Das war kein leichter Kompromiss, da es im Flugzeug bei geöffnetem Fenster -40°C waren und die Handschuhe offensichtlich nicht so dick und warm waren, wie ich es gerne gehabt hätte, aber ich brauchte die zusätzliche Fingerfertigkeit beim Fotografieren. Ich habe also die Entscheidung getroffen, Handschuhe zu tragen, die mich vor der beißenden Kälte schützten, aber nicht so warm waren, wie ich es gewählt hätte, wenn ich keine Luftbildaufnahmen gemacht hätte.

Rückblick auf den Abschnitt: Packen

✓ Hartschalenkoffer für Langstreckenreisen, bei denen die Kamera nicht im Einsatz ist

✓ Rucksack für schnelle Aufnahmebereitschaft unterwegs

✓ Leicht auswechselbare Einsätze, damit die Ausrüstung in allen Umgebungen geschützt ist

✓ Silica-Päckchen gegen Feuchtigkeit

✓ Kleidung, die für extreme Umgebungsbedingungen geeignet ist – Schichten sind immer eine gute Idee, egal ob Sie sich in warmem oder kaltem Klima aufhalten. Und achten Sie immer darauf, Kleidung zu wählen, die beim Fotografieren nicht hinderlich ist.

2. Eine Geschichte entwickeln